Adobe Analytics Klassifizierungen sind eine Methode, um Tracking-Daten zusammenzufassen, sie mit beschreibenden Attributen anzureichern und Auswertungen auf Gruppenebene durchzuführen.
Was ist der Zweck und Nutzen?
Sobald du Klassifizierungen gebildet hast, kannst du auf deren Basis Auswertungen durchführen. Statt z.B. nur über ein einzelnes Produkt auszuwerten, sind auch produktübergreifende Reports nach Produktkategorie, Produktfarbe, Produktgröße etc. möglich.
Die bisherigen Classification Rules waren noch ein Relikt aus alten Zeiten. Seit geraumer Zeit pusht Adobe nun ihr Follow-Up-Feature „Classification Sets“, das die bisherigen Tools “Rule Builder“ und “Classification Importer“ in einer Oberfläche vereinen soll. Wir haben allerdings einige Fehler in der Oberfläche bei unseren Tests entdeckt.
Der alte Classification Rule Builder wird Ende Februar 2027 abgeschaltet, der Classification Importer sogar schon Ende August 2026. Bis dahin sollten wir uns alle ausführlich mit Classification Sets vertraut gemacht und idealerweise auf diese umgestellt haben. Classification Sets sind der neue Standard in Adobe Analytics, der für die Adobe Experience Platform (AEP) und Customer Journey Analytics (CJA) optimiert ist.
Bisher gab es mehrere Schritte, um Klassifizierungen aufzusetzen. Zuerst musste man in die Report Suite Settings im Admin Bereich und dort für eine Dimension Classification Items definieren.
Anschließend konnte man entweder über den Classification Importer gehen und dort Klassifizierungen pro Report Suite basierend auf sogenannten SAINT Files hochladen. Oder alternativ im Classification Rule Builder Regeln aufsetzen (in den meisten Fällen per Regex), nach denen die Dimension klassifiziert wurde.
Über die Regex-Klassifizierung ist es möglich, dynamische Werte, die derselben Struktur folgen, zu klassifizieren, ohne für jede Ausprägung eines Wertes den exakt passenden Klassifizierungswert hochladen zu müssen. Ein gängiges Beispiel dafür sind Trackingcodes für Kampagnentracking.
In den Classification Sets werden alle diese Schritte an einem Ort abgebildet. Das ist auf jeden Fall eine große Erleichterung und macht es einfacher und übersichtlicher, Klassifizierungen zu erstellen.
Bisher konnte man im Tab „Admin“ sowohl „Report Suites“ als auch „Classification Importer“ und „Classification Rule Builder“ auswählen. Dies fällt zukünftig weg, und es gibt im Tab „Components“ die Option „Classification Sets“.
Dort findest du drei Bereiche:
Lass uns direkt in den Bereich „Classification Sets“ einsteigen. Dort findest du einerseits bereits erstellte Sets, die aus den bereits angelegten Rule Builder Sets gezogen wurden, und kannst diese editieren und löschen, oder mit einem Klick auf „Neu“ ein neues Set erstellen.
Ein Set hat folgende Tabs:
In den Settings vergibst du einen Namen, eine Beschreibung (optional) und Tags (optional) für das Classification Set. Außerdem legst du fest, wer bei erfolgreichem und nicht erfolgreichem Durchlaufen der Klassifizierung benachrichtigt werden soll.
Darunter folgt der wichtige Teil: die sogenannten Subscriptions. Hier legst du fest, welche Variablen aus welcher Report Suite klassifiziert werden sollen.
Die Subscriptions geben deutlich mehr Flexibilität als im alten Setup, da sich hier nicht nur verschiedene Report Suites, sondern auch verschiedene Variablen auswählen lassen.
Das Anwenden derselben Klassifizierung auf unterschiedliche evars oder props war bisher nicht möglich. Beachte auch: Wenn du eine Variable auswählst, die bereits in einem anderen Classification Set klassifiziert wird, dann bekommst du eine Fehlermeldung.
Schauen wir uns noch die beiden anderen Tabs für die Konfiguration an:
Im Tab „Schema“ lassen sich Files zur Klassifizierung hochladen, ähnlich wie die bisherigen SAINT Files.
Zuerst wird ein Template heruntergeladen, dieses befüllt und anschließend mit den klassifizierten Daten hochgeladen.
Das File sieht etwas anders aus als bisher und wirkt nun deutlich aufgeräumter. Anstatt des Headers, der bisher in jedem SAINT File eingefügt sein musste, sind jetzt nur noch Spaltennamen nötig – erst „Key“ (für die zu klassifizierenden Werte) und dann die Namen der jeweiligen Klassifizierungen.
Im Tab „Rules“ kannst du Regeln für die Klassifizierung aufsetzen, ähnlich wie bisher im Classification Rule Builder.
Rules sind sinnvoll, wenn sich die Dimension Items ständig ändern, z.B. bei Kampagnen, es aber eindeutige Regeln gibt, nach denen diese aufgebaut sind.
Wie auch im Legacy Rule Builder können hier die Rules als Regular Expression (Regex), der wahrscheinlich häufigste Anwendungsfall, oder auch über weitere Functions wie „Starts with“, „Ends with“, „Contains“, „Matches“ usw. aufgesetzt werden.
Im Gegensatz zum alten Rule Builder werden alle Rules direkt im Classification Set gesetzt, und gelten dann für alle definierten Subscriptions.
Tipp: Classification Sets in Adobe Analytics besser verstehen
Wenn ihr tiefer einsteigen wollt: Mein FELD M Kollege Eliot Jones erklärt in unserem On-Demand-Video “Demystifying Classification Sets in Adobe Analytics”, wie Classification Sets funktionieren und wie ihr sie sinnvoll für eure Adobe-Analytics-Setups nutzt.
Im Video erfahrt ihr unter anderem:
- wie Classification Sets funktionieren,
- worin sie sich vom alten Classification-System unterscheiden,
- und wie ihr eure Klassifizierungen so aufsetzt, dass sie langfristig wartbar und auswertbar bleiben.
Jetzt On-Demand anschauen: Demystifying Classification Sets in Adobe Analytics
Classification Sets sind eine sinnvolle und gute Weiterentwicklung, die Klassifizierungen deutlich vereinfachen und uns mehr Optionen bei der Konfiguration und der Datenanalyse bieten.
Die gesamte Konfiguration befindet sich an einem Ort, wodurch das umständliche Konfigurieren an verschiedenen Stellen des Admin Bereichs entfällt. Auch die zusätzlichen Optionen wie die Konfiguration verschiedener Variablen in einem Classification Set gefallen uns.
Leider haben wir in unseren Tests einige Bugs festgestellt, die hoffentlich in nächster Zeit abgestellt werden:
Bei mehreren Kunden haben Regeln nach der Migration vom alten Classification Rule Builder in die Classification Sets nicht mehr funktioniert. Wahrscheinlich lag es an einer unterschiedlichen Regex Syntax. Dies sollte man im Auge behalten, vor allem wenn man sehr viele Rules migrieren möchte.
Ein weiteres Problem bei der Migration war, dass – nach unseren Erfahrungen - alle bisher im System angelegten Regeln automatisch in Classification Sets übertragen wurden.
Es wurde pro Classification Rule Set (also pro eVar) und pro Report Suite ein eigenes Classification Set angelegt. D.h. die einzelnen Klassifizierungen sind weiterhin in einem Set enthalten, aber pro RS gab es bei dem automatischen Umzug in die neue Oberfläche eine Aufsplittung (die es im Legacy Rule Builder nicht gibt).
Wenn ein Classification Set aber neu angelegt wird in der Classification Set Oberfläche, dann können hier gleich alle RS ausgewählt werden, für die die Klassifizierung greifen soll, ohne dass es mehrere Sets dafür braucht.
Die automatische Migration seitens Adobe führte bei manchen unserer Kunden zu einer riesigen Anzahl neuer Classification Sets. Zusätzlich erhielten die Owner der Rules E-Mail Notifications für jedes Set, was teilweise zu hunderten E-Mails pro Tag führte.
Daher ist es sinnvoll, vor der Migration Fragen und Unsicherheiten zuerst mit dem Adobe Account Verantwortlichen zu klären.
Generell empfehlen wir, den Umzug auf den neuen Rule Builder innerhalb der Classification Sets der für Februar 2027 von Adobe geplant ist, als eine Gelegenheit zu nutzen, alle bisher angelegten aktiven Rules zu prüfen und ggf. aufzuräumen.
Dann kann im Classification Set neu gestartet werden – entweder über eine Migration der bestehenden Rules aus dem Legacy Rule Builder oder über ein erneutes Anlegen der gewünschten Rules in der neuen Oberfläche.